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Pareto, Gaussche, Murphy – Faustregeln in der IT (Teil 2/2)

In der IT gibt es gewisse Schlagwörter und Faustregeln, wie etwa das Pareto-Prinzip oder das Magische Viereck, welche wir letzte Woche in unserem Blogbeitrag angeschaut hatten. Wir wollen wissen, welche Regeln wirklich verlässlich sind, wo die Risiken liegen – und woher diese „IT-Weisheiten“ eigentlich kommen. In diesem Artikel stellen wir Ihnen drei weitere dieser Schlagwörter vor.

Die Gausssche Glockenkurve

Diese auch „Normalverteilung“ genannte Verteilungsfunktion kennen wohl die meisten noch aus dem Mathematikunterricht in der Schule. Sie geht auf den deutschen Mathematiker Carl Friedrich Gauss zurück und beschreibt in einem festen System die für eine Variable zu erwartenden Werte. Insbesondere in der Naturwissenschaft, aber auch in den Wirtschaftswissenschaften und im Ingenieurwesen hat sich die Gauss-Verteilung als Werkzeug bewährt. Geht man beispielsweise bei einer Messung von einer Normalverteilung der Messwerte aus, lässt sich mit Hilfe der Gauss-Funktion ermitteln, wie stark die Abweichung bei einem bestimmten Prozentanteil der Messwerte sein wird. Auf diese Weise sind Aussagen möglich wie etwa „x Prozent der Messwerte werden sich in einem Wertebereich von y bis z bewegen“.

Gauss_dichtefunktion

Auf den ersten Blick mag das mit IT nicht allzu viel zu tun haben, aber dieser Eindruck täuscht. Die Normalverteilung lässt sich nämlich auf eine Vielzahl von Situationen im Alltag übertragen. Sollen zum Beispiel neue Endgeräte für eine Abteilung angeschafft werden, steht die Frage im Raum, wie leistungsfähig diese Geräte sein müssen. Geht man von einem „Standardnutzer“ aus und kalkuliert man nach oben und unten etwas Spielraum ein, lassen sich mit Hilfe der Normalverteilung ohne grossen Aufwand die Bedürfnisse der meisten Nutzer abdecken.

Es wird dann zwar einige Nutzer geben, die mehr oder weniger Leistung benötigen, aber ihr Anteil an der Gesamtzahl der Nutzer sollte recht gering sein. Problematisch ist diese Herangehensweise nur, wenn einer der „Ausreisser“ ein wichtiger Entscheidungsträger ist – erfüllt die Technik nämlich seine Ansprüche nicht, kann sich das negativ auf die gesamte Abteilung oder sogar das ganze Unternehmen auswirken. Wie immer gilt bei dieser statistischen Regel: Wer die Datenbasis kennt fällt nicht drauf rein.

Das Mooresche Gesetz 

Dieses Gesetz geht auf den Intel-Gründer Gordon Moore zurück, der beobachtet hatte, dass sich die Zahl der Transistoren auf einem Chip alle 18 bis 24 Monate verdoppelt. Da die Rechenleistung eines Chips direkt mit der Zahl der Transistoren zusammenhängt, wurde Moores Erkenntnis oft auf die Formel „alle 24 Monate verdoppelt sich die Rechenleistung von Chips“ reduziert. Das ist zwar nicht ganz richtig, hat sich aber über viele Jahre und Jahrzehnte bewährt.

Moore war trotz seiner visionären Ansätze aber kein Hellseher – ein Grund für die Beständigkeit des Mooreschen Gesetzes war die Arbeit der Chiphersteller, die sich in den 1990er Jahren darauf einigten, die Entwicklung so zu steuern, dass das Gesetz seine Gültigkeit behält. Inzwischen gerät das Gesetz aber trotz dieser Massnahmen ins Wanken. Einige Experten sehen das Mooresche Gesetz sogar schon als überholt an – andere arbeiten dagegen daran, es so anzupassen, dass es wieder für lange Zeit gültig sein wird. So spricht man jetzt zum Beispiel davon, dass sich der Nutzen von elektronischen Bauteilen alle 18 bis 24 Monate verdoppelt. Intel selbst nimmt nicht mehr die Zahl der Transistoren als Basis, sondern strebt stattdessen etwa alle zwei Jahre eine Halbierung der Kosten pro Transistor an. 

Eines ist aber in jedem Fall klar: Durch physikalische Grenzen, etwa die Wärmeentwicklung, ist das Mooresche Gesetz in seiner Urform nicht mehr zu halten. Allerdings nimmt die Bedeutung einzelner Chips durch die Verlagerung in die Cloud ohnehin ab – in Rechenzentren arbeitet nämlich eine Vielzahl von Chips, sodass ein einzelnes Bauteil nur noch geringe Relevanz hat.

Murphy‘s Law

Diese Regel geht auf den US-amerikanischen Ingenieur Edward A. Murphy jr. zurück, der zu komplexen Systemen eine sehr einfache Weisheit in die Welt setzte: „Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“ Inzwischen wird Murphy‘s Law nicht nur bei komplexen Systemen angewandt, sondern praktisch in allen Lebenslagen. Es ist natürlich auch sehr einfach, einen Fehler auf eine scheinbar kosmische Ursache zu schieben, als sich das eigene Versagen einzugestehen.

Ganz so einfach sollte man es sich mit Murphy‘s Law aber nicht machen, denn Murphy wollte damit keine „Entschuldigung“ für jedwede Fehler liefern, sondern vielmehr darauf aufmerksam machen, dass der Mensch eine der grössten Fehlerquellen in Systemen ist. Daher sollte man mit menschlichem Versagen rechnen, um so die möglichen Konsequenzen besser bewältigen zu können.

Gerade in der IT sollte man diesen Ratschlag beherzigen, denn hier führen Fehler von Menschen immer wieder zu Problemen. Zusätzlich lohnt es sich hier, Murphy‘s Law noch ein wenig zu erweitern: Man sollte bei IT-Projekten ganz allgemein mit Fehlern rechnen. Leider ist es viel zu oft so, dass eine bestimmte Vorgehensweise festgelegt wird, die dann zum Erfolg führen soll. Fehler, menschliches Versagen und Ähnliches werden dabei ganz bewusst ausgeklammert. Kommt es dann aber zu Problemen, ist kein „Plan B“ vorhanden und selbst eine Kleinigkeit kann das gesamte Projekt ins Stocken bringen. Wer sich aber Murphys Worte zu Herzen nimmt und mit Schwierigkeiten rechnet, ist besser darauf vorbereitet, diese zu lösen.

Individuelle Beratung – bei UPGREAT

Im zweiten Teil unseres Blog-Beitrags hat sich erneut gezeigt, dass Faustregeln in der IT durchaus ihre Berechtigung haben – ein Ersatz für echtes Fachwissen und Erfahrung sind sie jedoch nicht. Wollen Sie Ihre IT auf eine solide Basis stellen, haben Sie mit UPGREAT den idealen Partner gefunden. Wir beraten Sie individuell und gehen dabei auf die Situation und Gegebenheiten in Ihrem Unternehmen ein. Im Anschluss entwickeln wir gemeinsam mit Ihnen eine abgestimmte Lösung, um deren Umsetzung sich unser Team kümmert.