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Digitale Transformation - Das Bauwesen der Zukunft ist...digital? (Teil 4/4)

Die Digitalisierung hat mittlerweile sämtliche Bereiche der Wirtschaft erfasst. Dazu zählt auch das traditionelle Handwerk wie das Bauwesen. Hier haben die technischen und technologischen Fortschritte der letzten Jahre viele Veränderungen ausgelöst. Das Problem ist allerdings, dass gerade im Baugewerbe viele Unternehmen nicht oder nur in sehr geringem Masse auf IT-Innovation setzten. Stattdessen vertraut man auf die bewährten Methoden, sodass das Potential der Digitalisierung ungenutzt bleibt.

Einzelne Baufirmen haben die Zeichen der Zeit erkannt – sie verwenden digitale Technik, um die Effizienz in bestimmten Bereichen zu steigern, und verschaffen sich so einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Das Problem ist hier jedoch, dass diese strukturelle Erneuerung nur Stückwerk bleibt: In einigen Bereichen wird neue Technik eingesetzt, in anderen nicht. So geht es am Ende zwar etwas besser als vorher, ein wirklicher Schritt nach vorne ist aber nicht. Wollen Sie mit Ihrer Bauunternehmung im 21. Jahrhundert ankommen, ist es nötig, sämtliche Abläufe zu überdenken und sie zu vernetzen – denn nur so entsteht ein Gesamtkonzept, das das Potential der Digitalisierung wirklich ausschöpft.

Alles in einer Hand – von der Planung bis zur Fertigstellung 

Eine grosse Herausforderung – vielleicht sogar die grösste – im Bauwesen sind fehlende Koordination und Kommunikation. Gerade bei Grossprojekten sind so viele unterschiedliche Akteure beteiligt, dass es für den Bauleiter schwierig bis unmöglich ist, alles im Blick zu behalten. Das ist aber nötig, denn obwohl auf dem Bau noch immer stark in Phasen und Abschnitten gedacht wird, ist es in der Realität so, dass (fast) alles miteinander verbunden ist und es beträchtliche Wechselwirkungen geben kann.

Kommt es zum Beispiel beim Unternehmen, das die Fenster herstellt, zu Verzögerungen, müssen das natürlich auch die Handwerker wissen, die diese Fenster einbauen sollen – aber eben nicht nur sie. Ohne die Fenster geht es beim Innenausbau nicht voran, die zuständigen Firmen kommen in Verzug, es gibt eventuelle terminliche Überschneidungen mit anderen Projekten, die Waren von Zulieferern werden erst später benötigt und so weiter.

Der erste Schritt, die Digitalisierung im Bauwesen zu nutzen, hat also gar nicht so sehr etwas mit Technik zu tun. Vielmehr muss sich eine neue Sichtweise bei Bauprojekten durchsetzen – man muss sie als Ganzes betrachten, von der Planung bis zur Fertigstellung und darüber hinaus. Nur wenn die einzelnen Schritte gut aufeinander abgestimmt sind, lässt sich eine hohe Effizienz erreichen. Und da kann die Digitaltechnik äusserst hilfreich sein!

Koordination statt Chaos 

Im Bauwesen gibt es das Sprichwort „gut geplant ist halb gebaut“ – und das ist absolut zutreffend, gerade wenn es um die Vorteile der Digitaltechnik geht. Mit Hilfe des Building Information Modeling, kurz BIM, lassen sich zum Beispiel zahlreiche Prozesse enorm beschleunigen, insbesondere in der Planungsphase.

Beim BIM werden sämtliche benötigten Daten zu einem Bauprojekt zusammengeführt und allen Beteiligten zur Verfügung gestellt. Technische Zeichnungen von Bauteilen müssen so nicht erst dem entsprechenden Hersteller zugeschickt werden, er kann direkt auf die Daten zugreifen und mit der Produktion beginnen. Zudem werden die Daten bei BIM stets auf dem aktuellen Stand gehalten, sodass Änderungen oder Probleme für alle sofort erkennbar sind. Sollte zum Beispiel durch die Brandschutzprüfung eine Anpassung des Treppenhauses nötig sein, kann der Architekt diese direkt im Modell vornehmen. Dadurch wird automatisch die benötigte Menge an Material angepasst, sodass die für das Treppenhaus zuständigen Handwerksfirmen informiert sind und nicht ein paar Wochen später mit den falschen Teilen auf der Baustelle stehen.

Für die Planung selbst bringt BIM ebenfalls einige Vorteile mit sich, denn es sind immer sofort alle Veränderungen sichtbar, die sich durch die Anpassung bestimmter Bauteile ergeben. So lässt sich etwa die Energieeffizienz von Gebäuden und Abschnitten optimieren oder auch der Materialeinsatz.

Digitaltechnik ermöglicht echte Zusammenarbeit

Neben Koordination fehlt es auf dem Bau häufig auch am interdisziplinären Austausch – der wird jedoch zunehmend wichtiger, denn selbstverständlich lässt sich etwa die Gebäudetechnik nicht von den durch den Architekten vorgegebenen baulichen Voraussetzungen trennen. Sind alle Aufgabengebiete gut aufeinander abgestimmt, beschleunigt das nicht nur die Arbeiten, es sorgt auch dafür, dass das gesamte Bauprojekt „wie aus einem Guss“ wirkt – Treppen, Fenster, Türen, Anschlüsse, baulich getrennte Bereiche, Leitungen und vieles mehr ergänzen sich dann perfekt. Hier kann die Digitaltechnik ebenfalls sehr hilfreich sein, denn mit ihr lässt sich eine gemeinsame Datenbasis schaffen, die allen Beteiligten als Grundlage dient und eine Abstimmung aller Bauteile ermöglicht.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die Digitalisierung im Bauwesen helfen kann, Prozesse besser zu koordinieren, sodass die Effizienz gesteigert wird und Informationen und Fachwissen stets genau dort zur Verfügung stehen, wo sie benötigt werden. Zudem ermöglicht sie es, flexibel auf die im Baugewerbe alltäglichen Veränderungen zu reagieren.

Topics: Digitalisierung